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Erinnerungen an die OLAU BRITANNIA
Zum Thema Olau-Line lässt sich eine ganze Menge schreiben, doch will ich mich hier auf eine kurze Schilderung der Dinge beschränken und die während meiner Zeit an Bord der OLAU BRITANNIA entstandenen Bilder in den Mittelpunkt stellen. Nur soviel: Olau war (wie ich meine) die seinerzeit beste Fährreederei im Ärmelkanal mit den besten Fährschiffen und sehr guten Mitarbeitern. Auf See wie an Land. Das radikale Ende der Reederei im Jahre 1994 und der Verlust von rund 700 Arbeitsplätzen ist auch viele Jahre danach unverständlich. Es gab dazu verschiedene Erklärungsansätze (z. B. das britische Buch "Inside Olau", das den Niedergang der Olau-Line in der deutschen Arbeitnehmervertretung des Seebetriebsrates sah oder Äußerungen der Gewerkschaftsseite, die das natürlich energisch zurückwiesen), aber das ist wie so oft nicht die ganze Wahrheit, zieht man Aussagen ehemaliger Olau-Kapitäne heran. Sei es drum - Olau ist Vergangenheit.
Die 1990 in Dienst gestellte OLAU BRITANNIA und ihre ältere Schwester OLAU HOLLANDIA basierten auf den Plänen der 1986 gebauten PETER PAN der TT-Line. Allerdings waren die Entwürfe der Olau-Schiffe erheblich überarbeitet worden. Beispielsweise vergrößerte man die Breite der Olau-Liner, um breitere LKW-Spuren auf dem Wagendeck zu bekommen. Der Bugbereich war völlig anders konstruiert - eben für die raue Nordsee. Die Besatzungs- und Passagiereinrichtungen waren teilweise anders aufgeteilt und letztlich waren die Olau-Twins besser und hochwertiger ausgestattet.
Die beiden 1989 und 1990 gebauten Olau-Schiffe wurden übrigens zu einem Großteil aus NATO-Geldern finanziert, damit diese im Falle eine kriegerischen Konflikts als Truppentransporter zur Verfügung standen. Dieses war auch der Grund dafür, warum die britische Armee beispielsweise guter Kunde bei Olau war... Und völlig umsonst mitfahren konnte.
Die OLAU BRITANNIA wurde am 27.02.1989 auf Kiel gelegt. Am 28.10.1989 erfolgte der Stapellauf und am 16. Mai 1990 die Indienststellung. Ausgelegt war sie als Zweiabteilungsschiff mit der Klasse GL + 100 A 4 E2 + MC E2 AUT-Z. 423 Kabinen mit Dusche und WC standen den bis zu 1.600 Fahrgästen zur Verfügung.
Die Passagiereinrichtungen bestanden aus einem Salon und einer Bar auf dem C-Deck mit 475 Sitzplätzen, einem Konferenzcenter (7 Räume) auf dem C-Deck mit 350 Sitzplätzen, einem Kino auf dem C-Deck mit 50 Sitzplätzen, einem Restaurant à la carte auf dem D-Deck mit 80 Sitzplätzen, dem Garden-Restaurant auf dem D-Deck mit 240 Sitzplätzen, einem Buffet-Restaurant auf dem D-Deck mit 170 Sitzplätzen, einem Café auf dem D-Deck mit 110 Sitzplätzen, einer Discothek auf dem E-Deck mit 70 Sitzplätzen sowie verschiedenen Hallen, Galerien und Arkaden mit 164 Sitzplätzen. Dazu kam ein Kinderparadies, ein Shoppingcenter mit Boutique und Supermarkt sowie ein Swimming Pool mit 2 Saunen.
Das erste Mal über den Weg lief mir Olau im Jahre 1986, als in der Schule eine Projektwoche veranstaltet wurde. Ich entschloss mich für das Thema „London“. Dazu mussten die Schüler dann aus einem Reisebüro verschiedene Prospekte zusammentragen. War es nun Zufall oder nicht: Ich kam mit einem Prospekt der Reederei Olau zurück in die Schule. Olau betrieb einen Fährdienst zwischen Vlissingen in den Niederlanden und Sheerness in Großbritannien. Dieser unterschied sich etwas von den anderen Liniendiensten, denn er war in punkto Komfort meilenweit voraus. Olau hatte einen richtig guten Namen. Die Reederei selbst warb mit dem Slogan „First Class zum Economypreis“. Bemerkenswert war vor allem, dass Olau eine deutsche Reederei war. Die einzige deutsche Reederei, die im Ärmelkanal einen Liniendienst anbot.
Wie kam es dazu?
Am 4. September 1972 begann die Channel Bridge Line mit der CHANNEL BRIDGE II einen neuen Dienst zwischen Vlissingen und Ramsgate. In sehr kurzer Zeit wurde ein Fähranleger im Binnenhaven Vlissingen errichtet. Allerdings wurde die Linie nach nur vier Monaten wieder geschlossen.
1973 nahm die Thanet Shipping Line den Dienst nach Ramsgate auf. Zum Einsatz kam die ADMIRAL CARRIER. Allerdings hatte auch die Thanet Line erhebliche Probleme, so dass eine Tochtergesellschaft der N. V. Haven van Vlissingen Anteile erwarb. So entstand für die Gesellschaft die Möglichkeit, Neuwagen über die Linie zu exportieren. Die ADMIRAL CARRIER wurde an den dänischen Schiffseigner Ole Lauritzen verkauft und in OLAU VIG umbenannt.
Die Bezeichnung Olau leitete sich übrigens vom Namen Ole Lauritzen ab: Ole LAUritzen. Doch auch dieser Linie war kein dauerhafter Erfolg beschieden. Im September 1974 wurde sie eingestellt. Das war die eigentliche Geburtsstunde der Olau-Line, denn Ole Lauritzen eröffnete nun selbst eine Linie nach England. Am 21. November 1974 fuhr erstmalig ein Schiff der Olau-Line, die gecharterte BASTØ V, von Vlissingen nach Sheerness. Das Geschäft entwickelte sich so gut, dass Olau ab 18. Januar 1975 die OLAU WEST einsetzte. Am 16. März 1975 folgte das Schwesterschiff OLAU EAST und ersetzte die BASTØ V. Allerdings fuhr die OLAU EAST nur kurz für Olau und wurde im November 1975 an Consolidada de Ferrys CA nach Venezuela verkauft.
Es folgten weitere Fähren. So brachte Olau 1975 die von der DFDS gecharterte OLAU DANA kurz in den Dienst. Es folgte im April 1976 die OLAU KENT. Die OLAU DANA wiederum wurde im Mai 1976 von der OLAU FINN abgelöst. 1976 war auch das Jahr, in dem ein neuer Fährterminal eröffnet wurde. Bis dahin wurden die Schiffe in Vlissingen im inneren Hafen – dem Binnenhaven – abgefertigt und mussten dazu durch eine Schleuse. Das kostete viel Zeit. Der neue Anleger befand sich nun im Außenhafen (Buitenhaven).
1978 tat sich entscheidend Neues: Olau war in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Hamburger Trampschiffahrt Gesellschaft übernahm 50 % der Anteile an Olau und installierte die in ihrem Teilbesitz befindliche TT-Line als Managing Agent. Später wurde aus Olau eine Tochtgergesellschaft der TT-Line.
1979 wurde Olau dann komplett von den Deutschen übernommen, weil Ole Lauritzen und TT-Line unterschiedliche Auffassungen über die künftige Flottenpolitik hatten. Durch diesen Eignerwechsel wurde Olau-Line zu dem, wofür sie die letzten Jahre bekannt war: Zu einer hochqualitativen Reederei mit gutem Service und guten Schiffen.
Hinter Olau standen nun auch die drei Haupteigner der TT-Line: Die KG Trampschiffahrt, die Iduna Versicherung und dieHamburger Reederei August Bolten.
Aufgrund des erhöhtren Transportvolumens hatte man nun die Entscheidung zu treffen, weiterhin auf Charter- oder Secondhand-Tonnage zu setzen oder eigens für die Linie geplante Neubauten einzubringen. Man entschied sich für die letztgenannte Option und gab bei der Werft AG Weser in Bremerhaven ein Fährschiff in Auftrag, das als OLAU HOLLANDIA am 23. März 1981 in Dienst kam. Das Schwesterschiff – das eigentlich zunächst auf die Linie Travemünde-Trelleborg gehen sollte – folgte am 7. Mai 1982 als OLAU BRITANNIA und ersetzte die OLAU FINN. Beide Neubauten waren seinerzeit die größten und luxuriösesten Fähren im Dienst zwischen England und dem Kontinent. Sie setzten Maßstäbe. Olau entwickelte sich dadurch zur besten Fährreederei in diesem Bereich.
1989 wurde die erste OLAU HOLLANDIA durch einen großen Neubau ersetzt, der den gleichen Namen erhielt. Im Mai 1990 folgte die neue OLAU BRITANNIA. Mit diesen großen, sehr hochwertigen Schiffen setzte sich Olau erneut von den Wettbewerbern in punkto Komfort und Qualität ab. Trotzdem muss im Nachhinein gesagt werden, dass diese Schiffe wohl eine Nummer zu groß für Olau waren. Der Kostendruck war gewaltig und in der Folgezeit unternahm die Reederei verschiedene Maßnahmen, die Ausgaben zu senken. Die Ausflaggung der beiden Fähren nach Luxemburg schlug nach größeren Protesten der Gewerkschaft fehl. Dann gab es Pläne, den Dienst von Sheerness nach Dartford in der Nähe von London zu verlagern. Schließlich wollte man die kleineren TT-Line-Schiffe PETER PAN und NILS HOLGERSSON gegen die Olau-Fähren tauschen und unter die Flagge der Bahamas bringen. Auch der Einsatz ausländischer Seeleute war angedacht.
All das führte auf der Arbeitnehmerseite zu Protesten, so dass sich die Reederei überraschend und unerwartet entschloss, den Liniendienst und damit Olau komplett aufzugeben. So geschah es dann auch: Am 12. Mai 1994 stellte die OLAU BRITANNIA ihren Dienst ein. Die HOLLANDIA folgte drei Tage später. Beide Schiffe wurden für einen sehr lukrativen Erlös an P&O Ferries verchartert.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Juni 2009) fahren die Olau-Twins bei der italienische Reederei SNAV als SNAV SARDEGNA und SNAV LAZIO (ex OLAU BRITANNIA) zwischen Civitavecchia-Palermo und Civitavecchia-Olbia.
Technische Daten:
OLAU BRITANNIA Memorabilia
Einige meiner Erinnerungsstücke aus Zeiten der OLAU BRITANNIA.
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